This chapter is only available in German so far.

Partielle Integration

Partielle Integration ist die Produktregel, rückwärts benutzt. Mit ihr integriert ihr Produkte wie .

Ein Produkt integrieren

Naheliegend ist: jeden Faktor einzeln integrieren. Aus wird , aus wird . Die Probe durch Ableiten braucht die Produktregel:

Herausgekommen ist etwas anderes als . Einzeln integrieren geht bei Produkten schief.

Die Produktregel selbst zeigt den Weg:

Ihr zweiter Summand hat genau die Gestalt von :

Also ist und . Zu gehört , denn . Die Produktregel mit und :

Der gesuchte Summand steht da, dazu der Summand . Den zieht ihr ab:

Jetzt beide Seiten integrieren. Aus wird wieder :

Das Integral rechts kennt ihr: . Sein Ergebnis kommt in Klammern, denn das Minus gilt für alles, was aus dem Integral kommt:

Probe:

Herleitung: die Formel

Dieselben drei Zeilen noch einmal, darunter jeweils allgemein mit und :

Merken: . Ein Faktor wird abgeleitet (), der andere wird integriert ().

Das Integral rechts heißt Restintegral. Die Formel tauscht das Ausgangsintegral gegen dieses Restintegral. Fertig integriert ist dabei nur ein Teil, nämlich . Daher der Name: partiell heißt teilweise.

Der Kasten

Die vier Terme , , und stehen in einem Kasten. Links stehen die Funktionen, rechts ihre Ableitungen:

Für reicht eine Stammfunktion ohne . Das kommt am Ende einmal dazu.

Kasten der partiellen Integration für x·cos x mit u, u', v und v'

Die Skizze zeigt, wo jeder Term des Kastens in der Formel steht.

Welcher Faktor wird abgeleitet?

Die Formel geht auch andersherum: und .

Im Restintegral steht jetzt . Es ist schwerer als das Ausgangsintegral. Die Wahl war schlecht.

Die Tabelle zeigt, was mit jedem Faktor beim Ableiten und beim Integrieren passiert:

Faktorabgeleitetintegriert

Polynome wie , oder werden beim Ableiten einfacher und beim Integrieren schwerer. , und werden in keiner Richtung schwerer.

Merken: Das Polynom wird abgeleitet (), der andere Faktor wird integriert (). So wird das Restintegral einfacher.

Schema: ein Produkt partiell integrieren

Das eben Gerechnete als allgemeines Vorgehen:

1. Rollen wählen: ist das Polynom, ist der andere Faktor. 2. Kasten füllen: ableiten, integrieren. 3. Einsetzen: . 4. Restintegral ausrechnen, sein Ergebnis in Klammern hinter das Minus setzen. 5. anhängen. Probe durch Ableiten.

Beispiele

a)

b)

c)

d)

Jetzt ihr
Lösung
. Probe: ✓

Übungen: ein Schritt

Bestimmt die Integrale mit partieller Integration.

a)

b)

c)

d)

e)

f)

Lösungen Schritt für Schritt: ein Schritt

a)

b)

c)

d)

e)

f)

Theorie: warum bei $v$ kein $+c$ steht

Nehmt beim Integral für die Stammfunktion mit einer beliebigen Zahl :

und heben sich weg. Jede Stammfunktion als liefert dasselbe Ergebnis. Darum nehmt ihr die einfachste und schreibt einmal ans Ende.

Zwei Schritte hintereinander

Jeder Schritt macht das Polynom um einen Grad kleiner. Bei braucht ihr deshalb zwei Schritte.

Schritt 1:

Das Restintegral ist wieder ein Produkt. Aus ist aber geworden.

Schritt 2: dieselbe Wahl, das Polynom wird abgeleitet.

Einsetzen: Das Ergebnis von Schritt 2 kommt als Ganzes in die Klammer hinter das Minus:

Das Polynom schrumpft von Schritt zu Schritt:

Nach zwei Schritten ist vom Polynom nur die Zahl übrig. Bei wären es drei Schritte.

Merken: So viele Schritte, wie der Grad des Polynoms angibt. In jedem Schritt dieselbe Wahl.

Beispiele

a)

Schritt 1:

Schritt 2:

Einsetzen:

b)

Schritt 1:

Schritt 2:

Einsetzen:

Jetzt ihr
Lösung

Übungen: zwei und mehr Schritte

Bestimmt die Integrale mit partieller Integration.

a)

b)

c)

d)

Lösungen Schritt für Schritt: zwei und mehr Schritte

a)

Schritt 1:

Schritt 2:

Einsetzen:

b)

Schritt 1:

Schritt 2:

Einsetzen:

c)

Schritt 1:

Schritt 2:

Einsetzen:

d)

Schritt 1:

Schritt 2:

Schritt 3:

Einsetzen, von innen nach außen:

ln x integrieren: der Faktor 1

Eine einzelne Funktion wird zum Produkt, wenn ihr sie mit multipliziert. So lässt sich auch partiell integrieren.

Zu kennt ihr keine Stammfunktion. Die Ableitung kennt ihr: . Also wird abgeleitet, und der Faktor wird integriert:

Probe:

Hier steht ohne Betrag, denn gibt es nur für .

Die Tabelle der Faktoren bekommt zwei neue Zeilen:

Faktorabgeleitetintegriert

Abgeleitet verschwindet der Logarithmus. Integriert bleibt er stehen.

Merken: wird immer abgeleitet (), auch neben einem Polynom.

Beispiele

a)

b)

c)

Jetzt ihr
Lösung

Übungen: ln x mal Potenz

Bestimmt die Integrale mit partieller Integration.

a)

b)

c)

d)

Lösungen Schritt für Schritt: ln x mal Potenz

a)

b)

c)

d)

Das Integral kommt wieder

Manchmal steht nach zwei Schritten das Integral wieder da, mit dem ihr angefangen habt.

Hier gibt es kein Polynom, und keiner der beiden Faktoren wird beim Ableiten einfacher: bleibt , aus wird , dann . Die Wahl ist also frei. Hier wird abgeleitet und integriert, in beiden Schritten.

Schritt 1:

Schritt 2:

Einsetzen:

Das Ausgangsintegral steht auf beiden Seiten. Gebt ihm einen Namen, , und löst die Gleichung nach auf wie nach einer Unbekannten:

Probe:

Merken: Steht das Ausgangsintegral wieder da, nennt es und löst die Gleichung nach auf. Das kommt nach dem Auflösen.

Im zweiten Schritt andersherum?

Tauscht ihr im zweiten Schritt die Rollen, also und , dann entsteht:

Eingesetzt in Schritt 1:

stimmt immer und sagt nichts. Der zweite Schritt hat den ersten rückgängig gemacht.

Merken: Im zweiten Schritt dieselbe Wahl wie im ersten.

Beispiele

a) , Wahl: wird abgeleitet, in beiden Schritten.

Schritt 1:

Schritt 2:

Einsetzen und auflösen:

b) , Wahl: wird abgeleitet.

Hier ist das Integral schon nach einem Schritt wieder da:

c) , Wahl: wird abgeleitet, in beiden Schritten.

Schritt 1:

Schritt 2:

Einsetzen und auflösen:

Jetzt ihr
Lösung

Übungen: das Integral kommt wieder

Bestimmt die Integrale mit partieller Integration.

a)

b)

c)

Lösungen Schritt für Schritt: das Integral kommt wieder

a) , Wahl: wird abgeleitet, in beiden Schritten.

Schritt 1:

Schritt 2:

Einsetzen und auflösen:

b) , Wahl: wird abgeleitet, in beiden Schritten.

Schritt 1:

Schritt 2:

Einsetzen und auflösen:

c) , Wahl: wird abgeleitet, in beiden Schritten.

Schritt 1:

Schritt 2:

Einsetzen und auflösen:

Schema: ein Produkt integrieren

Alle Fälle dieses Kapitels in einem Vorgehen:

1. Umformen, wenn es geht. Ausmultiplizieren oder ein Potenzgesetz macht manches Produkt zu einer Summe oder zu einer einzigen Potenz. Dann reichen die bekannten Regeln: - - 2. Rollen wählen: ist immer . Sonst ist das Polynom . Ohne Polynom ( mal oder ) ist die Wahl frei, und sie bleibt im zweiten Schritt gleich. 3. Kasten füllen und einsetzen: . 4. Restintegral ausrechnen und sein Ergebnis in Klammern hinter das Minus setzen: - ein bekanntes Integral: ausrechnen, fertig. - wieder ein Produkt, das Polynom einen Grad kleiner: noch ein Schritt mit derselben Wahl. - das Ausgangsintegral ist wieder da: nennen, Gleichung nach auflösen. - schwerer als vorher: die andere Wahl probieren. Wird es mit beiden Wahlen schwerer, hilft partielle Integration hier nicht. 5. anhängen. Probe durch Ableiten.