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[Diff] Minimalkostenkombination
Die Minimalkostenkombination (MKK) ist das billigste Rezept, mit dem eine Firma eine feste Menge ihres Produkts herstellt. Ein Rezept sagt, wie viel die Firma von jedem Produktionsfaktor einsetzt. Produktionsfaktoren sind das, was in die Produktion hineingeht, zum Beispiel Arbeit und Maschinen. Der Fachname für ein Rezept ist Faktorkombination.
Das billigste Rezept
Zum Beispiel will eine Firma 40 ME ihres Produkts herstellen. Diese Menge heißt Ausbringungsmenge . Die Firma braucht dafür zwei Produktionsfaktoren, Faktor 1 und Faktor 2. Ein mögliches Rezept:
Kurz schreibt man dieses Rezept als Punkt : erst , dann .
Mit weniger Faktor 2 geht es auch, wenn die Firma mehr Faktor 1 nimmt. Wie viel Faktor 2 sie für 40 ME braucht, hängt davon ab, wie viel Faktor 1 sie einsetzt:
Gelesen wird das wie : geht hinein, kommt heraus. Zum Beispiel ist : Wer 2 ME Faktor 1 einsetzt, braucht für 40 ME Produkt 8 ME Faktor 2.
Diese Funktion heißt Isoquante (iso: gleich, Quante: Menge). Alle ihre Rezepte liefern dieselbe Menge, hier 40 ME.
Im Bild ist jeder Punkt ein Rezept. Die Menge ME steht auf keiner Achse. Sie steht als Name an der Kurve. Für mehr Menge gibt es eine eigene Isoquante weiter außen. Entlang der Kurve gilt: mehr Faktor 1, weniger Faktor 2. Die Faktoren ersetzen einander.
Was die Rezepte kosten
Faktor 1 kostet GE je ME, Faktor 2 kostet GE je ME. Das sind die Faktorpreise. Jeder Faktor kostet Preis mal Menge, und die Firma zahlt beide. Für das Rezept und allgemein:
Die anderen Rezepte aus dem Bild:
| in ME Faktor 1 | in ME Faktor 2 | |
|---|---|---|
| 2 | 8 | GE |
| 4 | 4 | GE |
| 16 | 1 | GE |
| 32 | 0,5 | GE |
Gleiche Menge, verschiedene Kosten. Die Kosten fallen erst und steigen dann wieder. Zwischen und könnte es billiger sein. Probe mit :
Billiger als 60 GE. Geht es noch billiger? Probieren trifft den billigsten Punkt nie genau.
Die Kosten als Funktion von $r_1$
Damit die Kosten nur noch von abhängen, setzt ihr die Isoquante für ein:
Die Menge bleibt fest bei 40 ME. Nur das Rezept ändert sich. Das billigste Rezept ist der Tiefpunkt von . Zum Ableiten schreibt ihr .
Notwendige Bedingung:
( entfällt, denn .)
Hinreichende Bedingung:
Rezept und Kosten:
> Minimalkostenkombination (MKK): , GE
Noch billiger als die 49,2 GE bei .
Jedes Rezept oben hat unten sein Preisschild. Der Tiefpunkt unten steht genau unter der MKK oben.
Schema: MKK berechnen
Hier steht das eben Gerechnete allgemein:
1. Kosten aufstellen: 2. Isoquante für einsetzen: 3. Notwendige Bedingung: lösen, nur aus dem Definitionsbereich behalten 4. Hinreichende Bedingung: , also Minimum 5. berechnen: das gefundene in die Isoquante einsetzen 6. 7. Antwort: MKK , in GE
Beispiele
a) Isoquante (für ME), ,
> MKK , GE
b) Isoquante , ,
> MKK , GE
c) Isoquante , ,
> MKK , GE
d) Isoquante , , ,
> MKK , GE
Diese Isoquante erreicht die gestrichelten Linien nie. Die Firma braucht immer mehr als 2 ME Faktor 1 und mehr als 1 ME Faktor 2.
Merken: Die Isoquante für in die Kosten einsetzen. Dann hängen die Kosten nur noch von ab, und die MKK ist ihr Tiefpunkt.
Lösung
Übungen 1
Berechnet die Minimalkostenkombination und die minimalen Kosten.
a) , ,
b) , ,
c) , , ,
Lösungen Schritt für Schritt
a)
> MKK , GE
b)
> MKK , GE
c)
> MKK , GE
Isokostenlinien
Im Bild der Isoquante seht ihr die Rezepte, aber nicht ihre Kosten. Zwei Rezepte für 40 ME kosten gleich viel:
Welche Rezepte kosten auch genau 60 GE? Alle mit . Nach umgestellt:
Eine Gerade. Sie heißt Isokostenlinie (iso: gleich), in Aufgaben auch Isokostenkurve. Alle Rezepte auf ihr kosten 60 GE.
Das Dreieck zeigt, woher die Steigung kommt. 1 ME Faktor 1 mehr kostet GE mehr. Damit gleich bleibt, spart die Firma diese 3 GE bei Faktor 2. Das sind ME Faktor 2 weniger. Allgemein:
Lösung
Berühren statt schneiden
Wo auf der Isoquante liegt das billigste Rezept? Vom Marktgleichgewicht kennt ihr: zwei Graphen gleichsetzen, der Schnittpunkt ist das Ergebnis. Die Linie für 60 GE schneidet die Isoquante sogar zweimal, in und . Dazwischen liegt aber für nur 49,2 GE.
Weniger Geld heißt kleinere Achsenabschnitte bei gleicher Steigung. Die Linie rückt parallel nach innen:
Oben werden die zwei Schnittpunkte bei 48 GE zu einem: Die Linie berührt die Isoquante in . Bei 36 GE trifft sie die Isoquante gar nicht. Für 36 GE gibt es keine 40 ME. Unten steht dasselbe an der Kostenkurve: Die Höhe 60 GE trifft zweimal, die Höhe 48 GE nur im Tiefpunkt , die Höhe 36 GE nie.
Der Berührpunkt ist die MKK: für 48 GE, genau über dem Tiefpunkt von .
Gleichsetzen zeigt dasselbe. Isoquante gleich Isokostenlinie, für ein beliebiges :
| Gleichung | Lösungen (pq-Formel) | Lage | |
|---|---|---|---|
| 60 | : 4 und 16 | schneidet zweimal | |
| 48 | : nur 8 | berührt | |
| 36 | : keine | verfehlt |
Merken: Schneidet eine Isokostenlinie die Isoquante zweimal, geht es billiger. Die MKK liegt dort, wo eine Isokostenlinie die Isoquante berührt.
Gleiche Steigung
Im Bild war schon bekannt. Wie findet man den Berührpunkt, ohne zu kennen? Im Berührpunkt ist die Isokostenlinie die Tangente der Isoquante. Beide haben dort dieselbe Steigung. Jede Isokostenlinie hat die Steigung , egal wie groß ist. Die Steigung der Isoquante ist , das ihrer Tangente:
Gleiche Steigung:
> MKK , GE
Dasselbe Rezept, und kam erst am Ende heraus.
Was sagt über die Rezepte? Jede Ableitung gibt ungefähr die Änderung für eine Einheit mehr an, so wie die Grenzkosten . Hier heißt das: 1 ME Faktor 1 mehr, dann ändert sich um etwa ME. Die Menge bleibt 40 ME, denn das Rezept wandert auf der Isoquante.
| Rezept | 1 ME Faktor 1 mehr ersetzt etwa | |
|---|---|---|
| 4 ME Faktor 2 | ||
| 1 ME Faktor 2 | ||
| 0,25 ME Faktor 2 | ||
| 0,0625 ME Faktor 2 |
Die Steigung der Isoquante heißt Grenzrate der technischen Substitution (Substitution: Ersetzen). Das Minus zeigt: Faktor 2 wird weniger.
Von links nach rechts wächst die Steigung: . Eine ME Faktor 1 mehr ersetzt also immer weniger Faktor 2, je mehr Faktor 1 schon im Rezept ist. Die Isoquante ist linksgekrümmt:
Im Bild liegt die ganze Isoquante über der roten Linie. Jedes andere Rezept für 40 ME liegt also auf einer teureren Isokostenlinie weiter außen.
Merken: Im Berührpunkt sind beide Steigungen gleich: . Dieser Punkt ist die MKK.
Schema: MKK über gleiche Steigungen
Hier steht der zweite Weg allgemein:
1. Isoquante ableiten: 2. Gleiche Steigung: lösen, nur aus dem Definitionsbereich behalten 3. berechnen: das gefundene in die Isoquante einsetzen 4. 5. Isokostenlinie der MKK: 6. Krümmung prüfen: , die Isoquante ist linksgekrümmt, also Kostenminimum 7. Antwort: MKK , in GE
Beispiele
a) Isoquante , ,
> MKK , GE
b) Isoquante , , ,
> MKK , GE
c) Isoquante , ,
> MKK , GE
d) Isoquante . Bei welchem Preisverhältnis ist die MKK?
> , zum Beispiel GE je ME und GE je ME
Lösung
Wenn ein Faktor teurer wird
Faktor 1 wird teurer: statt 3 GE je ME, bleibt. Die Isoquante bleibt, denn welche Rezepte 40 ME liefern, hängt nicht von den Preisen ab. Die Isokostenlinie ändert sich:
| Isokostenlinie | Gleichung | -Abschnitt | -Abschnitt | Steigung |
|---|---|---|---|---|
| , | ||||
| , | ||||
| , |
Ein anderes ändert nur die Abschnitte: Die Linie verschiebt sich parallel. Ein anderes ändert die Steigung, und der -Abschnitt bleibt: Die Linie dreht sich um den Punkt . Die neue MKK, mit gleichen Steigungen:
> neue MKK , GE
Das alte Rezept kostet jetzt GE. Die Firma nimmt also weniger Faktor 1 und mehr Faktor 2.
Die gedrehte Linie für 48 GE trifft die Isoquante nicht mehr. Für 40 ME braucht die Firma jetzt 96 GE.
Halbieren sich dagegen beide Preise, und , bleibt die Steigung . Die MKK bleibt , nur die Kosten halbieren sich: GE.
Merken: Ein anderes verschiebt die Isokostenlinie parallel, ein anderer Preis dreht sie. Für die Lage der MKK zählt nur das Preisverhältnis .
Übungen 2
Bestimmt mit gleichen Steigungen die MKK, und die Isokostenlinie der MKK.
a) , ,
b) , , ,
c) Isoquante . Bei welchem Preisverhältnis ist die MKK?
d) Isoquante , . Faktor 2 wird teurer: statt 4. Bestimmt die neue MKK und die Kosten des alten Rezepts zu den neuen Preisen.
Lösungen Schritt für Schritt
a)
> MKK , GE
b)
> MKK , GE
c)
> , zum Beispiel GE je ME und GE je ME
d)
> neue MKK , GE; das alte Rezept kostet jetzt 39 GE
MKK und Kostenfunktion
Was kostet eine andere Menge? Für 60 ME gilt die Isoquante . Bei denselben Preisen und , mit gleichen Steigungen:
| Menge | Isoquante | MKK | |
|---|---|---|---|
| 40 ME | 48 GE | ||
| 60 ME | 72 GE |
Die Kostenfunktion aus dem Kapitel Kostenfunktion gibt zu jeder Menge die Kosten an. Sie rechnet damit, dass die Firma jede Menge mit ihrer MKK herstellt. Beide Faktoren wachsen mit der Menge. Ihre Kosten sind darum variable Kosten:
Dazu kommen wie gewohnt die Fixkosten: . Rechts im Bild steht die Menge wieder auf der waagerechten Achse.
| Funktion | Eingabe | Ausgabe |
|---|---|---|
| Menge Faktor 1, Produkt fest bei 40 ME | Kosten dieses Rezepts | |
| Menge Produkt | Kosten der MKK für diese Menge |
Lösung
Theorie: Warum gleiche Steigung?
Warum liefern beide Wege dasselbe Rezept? Im ersten Weg steckt die Isoquante in den Kosten:
Mit Faktor- und Summenregel abgeleitet:
Beide Teile haben eine Bedeutung. 1 ME Faktor 1 mehr kostet . Dabei ändert sich um etwa ME, und das ändert die Kosten um . Im Beispiel mit , und :
| Rezept | Faktor 1: ME | Faktor 2: ME | Kosten nach rechts | |
|---|---|---|---|---|
| GE | GE | fallen: mehr Faktor 1 lohnt | ||
| GE | GE | Tiefpunkt | ||
| GE | GE | steigen: weniger Faktor 1 lohnt |
An spart die ME Faktor 1 mehr, als sie kostet. An kostet sie mehr, als sie spart. Im Tiefpunkt heben sich beide Teile auf:
Die gleiche Steigung ist also die notwendige Bedingung , nur umgestellt. Im Tiefpunkt ersetzt 1 ME Faktor 1 genau so viel Faktor 2, wie sie am Markt kostet:
Ebenso die zweite Ableitung:
Im Beispiel ist , also . Das ist die hinreichende Bedingung aus dem ersten Weg: . Ist die Isoquante linksgekrümmt, ist und damit . Der Berührpunkt ist dann immer das Kostenminimum.