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Preiselastizität
Steigt der Preis, kaufen die Kunden weniger. Aber wie stark reagiert die Menge? Das misst die Preiselastizität , kurz: die Elastizität.
Ein Beispiel: Die Nachfrage ist .
Bei 30 € kaufen die Kunden Stück. Jetzt steigt der Preis um 10 %, auf 33 €. Dann kaufen die Kunden nur noch Stück. Das sind 6 Stück oder 15 % weniger. Wir teilen die beiden Prozente und erhalten . Pro 1 % mehr Preis sinkt die Menge also um 1,5 %.
Das ist die Preiselastizität: Um wie viel Prozent ändert sich die Menge, wenn der Preis um 1 % steigt?
Meist ist negativ, denn ein höherer Preis senkt die Menge. Wie stark die Menge reagiert, lesen wir darum am Betrag ab.
Unser Beispiel hat , der schwarze Punkt. Es liegt über 1, die Nachfrage ist also elastisch.
| Betrag | Name | Die Menge reagiert |
|---|---|---|
| vollkommen unelastisch | gar nicht | |
| unelastisch | schwächer als der Preis | |
| proportional elastisch | genau gleich stark | |
| elastisch | stärker als der Preis |
Beispiele aus dem Alltag: Medikamente sind fast vollkommen unelastisch, Benzin und Strom unelastisch. Restaurantbesuche oder eine bestimmte Marke sind elastisch, weil es Ersatz gibt.
Welche Rechnung wann
| Gegeben | Rechnung | Schwierigkeit |
|---|---|---|
| eine Funktion und eine Stelle | Punktelastizität, mit Ableitung | mittel |
| nur vorher und nachher | Prozentrechnung | leicht |
| zwei Zahlenpaare, mit Mittelwerten | Bogenelastizität | kommt später |
- Sind zwei Zahlenpaare gegeben, vorher und nachher, reicht Prozentrechnung. So war es im ersten Beispiel: 30 € und 40 Stück, dann 33 € und 34 Stück. - Ist eine Funktion gegeben, können wir genau an einem Punkt der Funktion ausrechnen. Dieser Wert heißt Punktelastizität. Wir brauchen dafür die Ableitung. - Die Bogenelastizität rechnet mit Mittelwerten. Sie gehört nicht zu diesem Kapitel.
Warum die Ableitung? Das zeigen die nächsten zwei Bilder.
Von den Prozenten zur Formel
Die Prozente aus dem ersten Beispiel lassen sich anders schreiben.
Wir beginnen mit dem Quotienten der Prozente. 15 % von 40 Stück sind 6 Stück, 10 % von 30 € sind 3 €. Also teilen wir durch . Durch einen Bruch teilen heißt: mit seinem Kehrwert malnehmen. Nun tauschen 40 und 3 ihre Plätze. Stück je Euro ist die Steigung zwischen den beiden Punkten. Bei einer Geraden ist sie überall gleich, also gleich der Ableitung . ist Preis durch Menge, , an unserer Stelle. Beides zusammen ergibt wieder .
Bei einer Kurve ist die Steigung zwischen zwei Punkten nicht überall gleich.
An der Kurve gehen wir von bis 13. Die Steigung dazwischen ist . Von 10 bis 11 ist sie . Rückt der zweite Punkt ganz heran, wird die Gerade zur Tangente. Ihre Steigung ist die Ableitung .
Die Ableitung gehört also zu genau einem Punkt. Darum nimmt die Punktelastizität die Ableitung statt der Steigung zwischen zwei Punkten.
So entsteht die Formel der Punktelastizität für eine Nachfragefunktion :
Vorgehen in 4 Schritten
1. Die Menge an der Stelle ausrechnen. 2. Die Ableitung bilden. 3. Beides in die Formel einsetzen. 4. Mit dem Betrag einordnen: elastisch oder unelastisch?
Beispiel 1: lineare Nachfrage, elastisch
, gesucht ist bei .
Schritt 1: der Punkt an der Stelle, . Der Preis 30 und die Menge 40 kommen in den Bruch. Schritt 2: die Ableitung. 10 nach rechts, 20 nach unten: . Sie kommt vor den Bruch. Schritt 3: Alles ist eingesetzt. Es ergibt . Schritt 4: , also ist die Nachfrage elastisch.
Bedeutung: Steigt der Preis um 1 %, sinkt die Menge um 1,5 %.
Beispiel 2: lineare Nachfrage, unelastisch
, gesucht ist bei .
1. 2. 3. 4. , also unelastisch
Bedeutung: Steigt der Preis um 1 %, sinkt die Menge nur um 0,5 %.
Beispiel 3: Elastizitätsfunktion und umsatzmaximaler Preis
Jeder Punkt hat seine eigene Elastizität
Zurück zu . Die Gerade hat überall die Steigung . Trotzdem ändert sich von Punkt zu Punkt, denn ändert sich.
Bei 10 € kaufen die Kunden 80 Stück. Das graue Rechteck ist der Umsatz . Hier ist . Unten steht der Umsatz 800 beim Preis 10. Nun zu 40 €. Das alte Rechteck bleibt als Umriss. Hier ist und . Nun zu 25 €, genau dazwischen. Hier ist und , mehr als beide Umrisse. Die Kurve hat ihren Gipfel bei 25 €. Links von 25 € ist die Nachfrage unelastisch, rechts davon elastisch.
Warum liegt der Gipfel genau bei ? Steigt der Preis um 1 %, bringt jedes Stück 1 % mehr. Dafür verkaufen wir % weniger Stück.
| Preis | Umsatz bei 1 % mehr Preis | |
|---|---|---|
| 10 € | 0,25 | etwa +0,75 %: steigt |
| 40 € | 4 | etwa −3 %: fällt |
| 25 € | 1 | etwa 0 %: Gipfel |
Bei ist die Nachfrage proportional elastisch, und der Umsatz ist am größten. Diesen Preis nennt man den umsatzmaximalen Preis, den Preis mit dem größten Umsatz.
Wir finden ihn auch ohne Bild. Dafür setzen wir und in die Formel ein. So erhalten wir für jeden Preis , die Elastizitätsfunktion:
Die Kurve zeigt für jeden Preis. Sie beginnt bei 0 und fällt immer steiler. Die gestrichelte Linie liegt bei . Sie schneidet die Kurve bei .
Rechnerisch: Für ist negativ. Also heißt hier , und ohne das Minus:
Der umsatzmaximale Preis ist also 25 €, mit und .
Einordnung:
- für ist die Nachfrage elastisch - für ist die Nachfrage unelastisch
| Nachfrage | Preis erhöhen | Preis senken |
|---|---|---|
| unelastisch | Umsatz steigt | Umsatz sinkt |
| elastisch | Umsatz sinkt | Umsatz steigt |
| Umsatzmaximum | Umsatzmaximum |
Beispiel 4: Wenn p(x) gegeben ist
Oft ist die Preis-Absatz-Funktion gegeben. Sie ist dieselbe Nachfrage, nur nach umgestellt:
Die Ableitungen sehen die Gerade von zwei Seiten. heißt: 1 € mehr, 2 Stück weniger. heißt: 1 Stück mehr, 0,5 € weniger. Das eine ist der Kehrwert des anderen. Darum steht in der Formel der Kehrwert :
Wir rechnen an derselben Stelle, . Dann ist und .
Zum Vergleich steht grau die Rechnung mit : . Der Kehrwert ist genau . Also ist wieder , wie es bei derselben Nachfrage sein muss.
1. 2. 3. 4. , also elastisch
Beispiel 5: quadratische Nachfrage
, gesucht ist bei .
1. 2. , also 3. 4. , also unelastisch
Beispiel 6: dieselbe Elastizität bei jedem Preis
Bei geschieht etwas Besonderes.
Zuerst leiten wir mit der Potenzregel ab. Den negativen Exponenten schreiben wir als Bruch. Für den zweiten Faktor rechnen wir aus: Das ist . Dann setzen wir beides in die Formel ein. steht oben und unten, es kürzt sich weg. Es bleibt , ohne . ist genau der Exponent von . Das gilt allgemein für . Die Ableitung ist , und wieder kürzt sich alles bis auf . Also ist , für jeden Preis.
Die einfache Variante: nur zwei Zahlenpaare
Beispiel 7
Ohne Funktion rechnen wir wie im ersten Beispiel mit Prozenten. Jede Änderung beziehen wir auf den Wert vorher.
Oben steht die Änderung der Menge in Prozent, unten die Änderung des Preises.
Ein Preis von 10 €, eine Menge von 100 Stück. Der Preis steigt auf 12 €: mehr. Die Menge sinkt auf 80 Stück: weniger. Also ist . Die Nachfrage ist proportional elastisch.
Beispiel 8
Der Preis sinkt von 5 € auf 4 €, die Menge steigt von 200 auf 210 Stück.
: Die Nachfrage ist unelastisch.
Typische Fehler
- vergessen: Im Nenner steht die Menge , nicht die Ableitung. - Das Minuszeichen weglassen: ist negativ. Eingeordnet wird aber mit dem Betrag . - Steigung mit Elastizität verwechseln: Eine Gerade hat überall dieselbe Steigung, aber an jedem Punkt ein anderes . - Die Formeln verwechseln: Bei steht in der Formel , nicht .
Kurz zusammengefasst
| Gegeben | Formel |
|---|---|
| zwei Zahlenpaare | |
| umsatzmaximaler Preis |
| Betrag | Nachfrage |
|---|---|
| unelastisch | |
| proportional elastisch | |
| elastisch |